Durch flirrende W├╝stenmeere, die Zeit in den Sand sieben  und Farben aus Feuer entfachen, f├╝hren die Gedichte Kerstin Lepperts. Wie  Luftspiegelungen spielen sie mit Sinn, Hitze und Form, schwingen in sinnlicher  Umarmung. ├ťber den Nacken der D├╝nen streichen Worte und Bilder, taumeln ├╝ber  Schotterwege voll Sonnensplitter zum Meer und versammeln sich im “stundenkokon”, einem Ort am R├╝ckgrat der Stille.

88 Seiten, Broschur, 12 ÔéČ, Wiesenburg Verlag, ISBN  3-937101-27-6

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w├╝stenk├╝sse 

in deinen armen vergesse ich die farbe der tage

k├╝sse werfen wir auf die alte sprache

wenn wir auf zebrar├╝cken

duftende w├╝sten durchstreifen

wir bauen uns eine oase mit kamelhaaren

seidenwind zaust unsere worte

w├Ąhrend wir uns aberwitzige geschichten  erz├Ąhlen

von fliegenden fischen und tanzenden dschinns

wie sand rinnen deine finger ├╝ber meinen r├╝cken

eine atemlose et├╝de

der unsere lippen nacheilen

um ├╝ber das trapez aus

silben zu balancieren

unter uns das gestern

verwegenen stunden lauschen wir

der zeit entk├Âpft

oder wanderd├╝nen

doch wir halten uns fester

als verlorene seelen im  sandsturm

nach oben

 

 

stundenkokon

in dieser umschlungenen nacht segelte ich

dem schrecken um vier grad davon

mein k├Ârper eine barke f├╝r alle gep├Ąck

s├Ątze die ich deinem atem schenkte

still tr├Ąumte ich mich kleiner

bis ich ganz in deiner hand lag

meeraugen erz├Ąhlten mir

stundenlang vom dom aus sprache

morgens vertropfe ich in salzkaffee

w├Ąhrend zeitfinger schnellere tage  mahnen

mali 

bootsichel auf geripptem

wassergr├╝n

wind zaust d├╝nung

ins sandocker

kein fu├č r├╝hrt die str├Âmung

aus der sonnenkante

flie├čt honig

tr├Ąge

schwer

Rezension von Annette Gonserowski f├╝r f├╝r die RezensionenWelt, 06/2005:

Schon das Titelbild gibt einen Hinweis, wo die Lyrikerin ihre Gedichte ansiedelt: in den Sandfluten, dem gelben Fleisch der W├╝ste.

W├╝ste als Ausdruck zwischenmenschlicher Beziehung, dem Auf und Ab einer Liebe.  Glutvolle Hitze, ├ľde, N├Ąhe, z├Ąrtliche Fingerkuppen, das Innere ein brennender Rosenbusch,  Durst...

 Wer die W├╝ste liebt, dem wird es nicht schwer fallen, in diese Gedichte einzutauchen. Die Bilder, die Kerstin Leppert in Worte fasst, sind nicht allt├Ąglich. Mit sensiblen Augen erfasst sie Augenblicke, tritt in den Dialog mit einem entfernten Du. Sie schreibt in dichten Worten, deren Aneinanderreihung oftmals beklemmend wirkt. Sie bedient sich unverhoffter Wendungen, die ├╝berraschen und aufmerksam machen. "stille staubt im schmerzenden kleid der hitze..." oder im Gedicht "Tuschkastenblau"  "<>sandkatze/ im mosaik aus k├Ârnern/ gr├Ąbt ihren durst/ in die poren  des sandes."

 Die Dichterin schreibt ihre sehr bildhaften Gedichte in Kleinbuchstaben, verzichtet auf Punkt und Komma. Sie gestaltet sie gleich einem Maler, bringt Paletten voller Farben in ihre Worte, so dass es nicht verwundern w├╝rde, wenn sie neben der Dichtung der Malerei zugewandt w├Ąre.

 Dass sie nicht abgegriffene Bilder w├Ąhlt, macht die Gedichte interessant, dass sie jedoch Metapher an Metapher reiht, erm├╝det. (z.B.: im weizenfeld tanzen pflanzen, denen ihr bl├╝hen eingebl├Ąut ist, unken rufen aus tannengrausamen zweigen....) Weniger w├Ąre mehr gewesen.

Gedichte, bei denen auf gro├čartige Vergleiche verzichtet wird, die in wenigen Worten die Aussage finden, ├╝berzeugen mich mehr:

 

kein Gedanke mehr

 an sand

 der zwischen

 worten knirschte

 

ich schlucke

 den moment

 tief hinunter

 

ein rotes aber

 tanzt auf

 den wellen

Dennoch ├╝berrascht die Reife dieses Erstlingswerkes und ich w├╝nsche ihm eine gute Verbreitung.